Frankfurt | Nein, ich war nicht zum Deutschen-Empfang auf dem Flughafen. Ja, es wäre mein sportlicher Traum gewesen, eine Perspektive als 87ger in Rio olympischer Mitläufer zu sein. Diese Aussagen verdeutlichen die gedankliche Diskrepanz zu meinen derzeitigen sportbezogenen Überlegungen, meiner Motivationslage im langwierigen krankheitsbedingten Rehabilitationsmodus und die andauernde berufliche Verfügbarkeit spiegelt mein derzeitiges Seelenleben wieder.

Die gesellschaftliche Stellung des Leistungssports zwischen Zirkus (Medien-Kommentator aus Rio), Steigerung des Unterhaltungswertes (Präsident IAAF Sebastian Coe) und die fortwährende Diskriminierung des sauberen sowie fairen Sportes durch ein kalkulierbares Doping verleiden mir das all überall verkündete Spaßhaben aus Rio. Ich möchte mich eigentlich nicht für meine Leistungen schämen oder entschuldigend erklären müssen, es beim nächsten Mal besser zu machen. Die Regulierungen des Sports über Verbände, Gremien, Kampfrichter hält kaum Schritt mit den sich an menschlichen Obergrenzen nivellierenden Leistungsansprüchen. Glück, Schicksal und Zufall sind die Medaillen-Gewinner im nachträglichen Gerangel der Nominierungskandidaten. Der Sport taumelt oft nur über die Ziellinie. Atemlos bis zur totalen Erschöpfung ergeben sich die umstrittenen Athleten der Ausweglosigkeit des Helden-Spektakels vom hin und her.

Man muss gewinnen, damit die Autobiographie zum Titel des Lebens wird. Episch! Die letzten drei Sätze sind das Ergebnis eines Mitschreibens von Worthülsen einer Live-Reportage des olympischen Badminton Finales.

Manchmal träumte ich bei den Blaupausen der Aberkennungen von irregulär erzielten Leistungen, dass in einer Hype von roten und weißen Lämpchen quasi in einer plötzlichen Momentaufnahme die lauteren von den unlauteren Medaillen-Anwärtern getrennt erschienen und ein konstitutiver Zusammenhalt die schönste Sache der Sportwelt wäre. Wohl ein weiterer Traum… 

Es stellt sich für mich die Frage, soll ich schlicht aufhören zu träumen. Real ergibt sich verbandsperspektivisch keine Chance für den Laufathleten Raabe, wenn es diese überhaupt je gab. Nimmt man die urplötzliche Finaleteilnahme bei der U18 WM 2003 (WM 2017 ersatzlos  gestrichen), fünf aufeinanderfolgende Cross EM Einsätze und dem letzten Länderkampf  zur WM 2009 in Berlin, war doch das Nationaltrikot stets lapidare Makulatur unerfüllter Systematik. Kennzeichnend dafür sind vier verpasste internationale Meisterschaftsevents, wobei es jeweils nur eine Ersatznominierung zu den 1985ger gab. 

„Zu jung um gefördert zu werden. Der hat noch Zeit sich zu zeigen.“ 

Schleierhaft oft, wer da die Fäden im Hintergrund zu meinen Ungunsten zog. Gern nahm man die erste Verletzung, ein Ödem am Schambein, während eines Trainingslagers zum Anlass, um die B-Kader Förderung sofort 2007 zu beenden.

Dies soll keine Leidensklage sein, wäre da nicht 10 Jahre später ein berufliches Déjà-vu in Form einer vergeblichen Bewerbung um die Fach- und berufsspezifische Anstellung zur BEM 2018. Quasi wieder ein Traum Sport und Beruf idealerweise zu verquicken – episch das Sportlerleben in den Dienst des Sports zu stellen.

Alles entwickelte sich hervorragend, die Berufung ins Team war nach Aussage nur noch Formsache bis von heut auf morgen über zwei Osterfeiertage das Aus  mit einer Vertröstung auf spätere Möglichkeiten in der Zusammenarbeit kam. Spekulativ kann man sagen, waren es wieder die Älteren die benannt wurden.
Das mag so gar nicht in meinen Kram passen. Der ZDF-Reporter aus Rio, der da meint, die 87ger sind schon ein bisschen angestaubt – der IOC-Präsident Bach, der die Jugend der Welt nach Tokio einlädt.

Pssst, Robert H. wäre meinungsbezogen Olympiasieger geworden, wenn er  vorher geschwiegen hätte. Spannend  wird welcher Harting wird oder bleibt im Organisationskomitee in aktiver oder passiver Form. Isinbajewa hat jedenfalls das Know-how für eine Folgekarriere beim IOC.

Aber was mache ich: Angestaubt, nicht mehr so jung, ohne frühere und jetzige Meriten, in einer Hängepartie zwischen Aktiv- und Passivsein, nicht bereit für Mittelchen aber auch mit ewigen Begeisterung über leichtes Schuhwerk unterschiedlichste Boden und Geländeprofile zu betrommeln.

Es war nie ein leichtes Unterfangen, meinen Ansprüchen selbst gerecht zu werden. Insofern ist nicht mehr der Weg das Ziel, es bleibst der Traum das sportliche Ziel – denn nichts anderes  ist die unerfüllbare Mär vom sauberen Sport für alle Beteiligten.