Was man über mich wissen wollte

Die wichtigsten Fragen über mich

Wie kam ich zum Laufen?

Ich komme aus einer sportlichen Familie. Bewegung war immer schon Trumpf. Mein Großvater turnte mit Alfred Schwarzmann, mein anderer Opa war 3000m Militärmeister. Mein Vater kam im Skilanglauf beim schwedischen Wasa-Lauf unter die ersten 300.

Mit 3 Jahren turnte ich schon am Reck, lief grinsend die 400m, errang meinen ersten Pokal beim den Kreismeisterschaften im Crosslauf und lief bei „Jugend trainiert“ im Skilanglauf außer Konkurrenz hinter meiner Schwester als Zweiter ins Ziel.

Natürlich sind Siege und Pokale als Momentaufnahmen immer ein schönes Ziel, eine Siegerehrung ein ergreifender Augenblick, aber der Blick ist doch stets hungrig nach vorne gerichtet. Insofern verstehe ich auch nicht die derzeitige Debatte um ein Burnout. Wer im Breitensport wie im Leistungssport mit welchen Mitteln auch immer über seine Verhältnisse lebt, der wird stagnieren, nicht weil er zu ehrgeizig ist, sondern weil er bald merkt, dass er seine Ziele und Träume zum Dauerzustand auf einer nicht realen Lebensbasis werden lassen will.

Ja, ich will wieder mal Deutscher Meister werden, ich will zu den Olympischen Spielen, aber ich habe gelernt, dass es Konkurrenz gibt, dass Rückschritt und viele andere Momente etwa Verletzungen oder berufliche Orientierungen einen aus dem Tritt bringen können aber gleich wohl keine Krise bedeuten.

Wie kommt es, dass ich für die LG Hannover starte?

Alles begann bei mir im Kleinen bei der TSG Bad Harzburg meinem Heimatverein. Um auf Landesebene mit Gleichgesinnten an den Start gehen zu können, bin ich in der Jugend zum TSV Kirchdorf gewechselt, einem reinen Laufverein. Nach vereinsinternen Problemen und auf der Suche eines besseren Supports durch einen Großverein, gab es in Niedersachen eigentlich keine andere Wahl für mich.
Seit 2005 starte ich nun für die LG Hannover. Die ruhige und verlässliche Art des "Big Boss" Peter Hampe hatte mich seiner Zeit zum VFL Eintracht Hannover geführt. Diesen Schritt habe ich auch nie bereut. Ich bin neben meinen Ambitionen ein Mensch der Harmonie und Zuspruch braucht. Beides wurde mir bei der LG Hannover integrativ immer zuteil. 

Wie sieht meine Renntaktik aus und wie entsteht sie?
Interview in Osterrode

Eine Renntaktik wird situativ vorab besprochen. Früher schöpfte mein Trainer Erfahrung aus seinem eigenen Wettkampf auf der Strecke, heute habe ich mehr freie Hand. Ein besonderer Geck in Schülerzeit war, dass die Rennzeit bereits auf den Rücken der Startnummer versteckt war, nicht selten traf sie zu. So erreichte er bei mir in jungen Jahren, dass mein Kopf frei war und ich mich auf schnelles Laufen konzentrierte und nicht von andern Dingen ablenken lies. Heute ist im Gelände die Adaption zu Trainingseinheiten eine Taktikart und nach wie vor arbeiten wir am Schlussspurt. Die Leistungsdiagnostik kommt in meinem Trainingsaufbau aus zeitökonomischen Gründen eher zu kurz, die Trainingsanalysen meines Trainers sind auch irgendwie zielführender.

Welche Ziele habe ich kurz und langfristig? Was war mein schönster Wettkampf und größter Erfolg?

Immer wenn ich am Start bin, ist es mein Ziel das Beste an diesem Tag abrufen können, auch wenn andere vor mir sind. Nach drei Verletzungsjahren und der medizinischen Diagnose aufhören mit schnellem Laufen möchte ich meine Bestzeiten über 800m und 1500m unter die vorgegeben Schallmauern drücken und strebe Treppchen-Plätze bei den Nationalen Meisterschaften an.

Als 6 maliger Deutscher Jugendmeister möchte ich endlich auch bei den Männern einen Erfolg verbuchen können. In Löningen mit dem Deutschen Vizemeistertitel im Cross hätte es schon beinahe geklappt. Mein größter Erfolg war das Finale bei den U18 Weltmeisterschaften in Sherbook/Canada. Mit Abstand haben die internationalen Einsätze, u.a. die 5 malige Teilnahme an den Cross Europameisterschaften, einen wertvollen Erlebnischarakter.

Mein schönster Wettkampf war ein 1500m Lauf im Rahmen eines Länderkampfes im Berliner Olympiastadion im Vorfeld der Leichtathletik Weltmeisterschaften 2009. Im Verlauf der WM hatte ich persönliche Kontakte mit Athleten aus der Szene gleich so den Tausch des Wettkampftrikots (mit den Initialen "JO" = Jesse Owens) von Bernard Lagat, dem damaligen Silbermedaillen Gewinner über 5000m.

Wie sieht mein Training so grundsätzlich aus, wie viele Wochenkilometer, schreibt mir jemand Pläne und seit wann?

Meine Trainingspläne gestaltet mein Vater, immer individuell und kreativ. Sein Hauptaugenmerk ist dabei, dass ich immer mit guter Laune ins Training gehe. Daher sehe ich ihn auch als meinen idealen Trainer und Mentor, da er mich von klein auf begleitet, jede Veränderung erkennt und auch auf andere private oder berufliche Faktoren Rücksicht nimmt.

Einen wichtigen Grundstein für eine gute Sommersaison lege ich in den Wintermonaten mit Crossläufen und dementsprechenden Einheiten. In dieser Periode komme ich mit Bergläufen, Intervallarbeit und langen Dauerläufen im GA1 und GA2 auf vergleichsweise zu anderen Athleten wenigen 70-80 Wochenkilometer. Im Harzer Winter ist es durchaus vorgekommen, dass eine 400m Runde vom Trainer geschaufelt oder das Training ganz auf die Langlaufloipe gelegt wurde. Der Umzug nach Bayreuth hat klimatisch keine Veränderungen gebracht. Unkonventionell sind ebenso weiterhin die Trainingseinheiten im Alleingang. Allerdings laufe ich gerne von der Haustür los und spare mir somit lange Wege zu Trainingszentren. Um ein Gefühl für die sportliche Auseinandersetzung zu erhalten, sind perspektivisch somit vermehrte Wettkampfeinheiten in der Vor-und Nachsaison angesagt. Erfreulich ist, dass sich neuerdings Uni-Stadt bedingt sporadisch in den Semestern ein kleines Läuferumfeld gebildet hat und es durchaus die Chance gibt, die eine oder andere Einheit in der Gruppe absolvieren zu können.